Es ging durch wirklich alle Nachrichten: Google heißt jetzt Alphabet und alles wird anders, mindestens. Ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Unser aller Lieblings-Suchmaschine bleibt bei ihrem Namen und auch der Suchalgorithmus ändert sich nicht. Alphabet ist „nur“ eine neue Organisationsstruktur. Welche Folgen hat das für User und Marketer?

Die einzelnen Geschäftsbereiche werden getrennt

Wir alle wissen: Android gehört irgendwie zu Google, Drive ist der Cloudspeicher von Google und Google+ als soziales Netzwerk ist kürzlich erst über den Jordan gegangen. In den Köpfen der User und Kunden gehört das alles irgendwie zusammen. Dieses „Irgendwie“ stört Google, sorry, Alphabet-CEO Larry Page aber enorm.

In Zukunft operieren alle Geschäftsbereiche als unabhängige Unternehmen im Alphabet-Netzwerk. Google Gründer Larry Page und Sergey Brin halten weiterhin die Chefposten über alle Unternehmenszweige inne.

Gerade bei dem Vorstoß in Smart-Home-Gefilde mit Nest oder beim Betriebssystem Android – die User sollen den Unterschied kennenlernen. Ein anderer Oberbegriff für die gesamte Google-Familie verschleiert außerdem Datenschutzbedenken und Vorurteile gegenüber der Suchmaschine – zumindest ist das die Strategie hinter dem Schaffen der Alphabet-Holding.

Gerade bei so intimen Bereichen wie Nest oder Calico ist diese Trennung wichtig. Zum einen können sie die Forscher so ganz auf ihre Arbeit konzentrieren, zum anderen ist auch der Geldfluss viel transparenter.

Natürlich gibt’s auch wirtschaftliche Gründe, die sich mit harten Zahlen untermauern lassen: Die Holding Alphabet ist in der Lage, steuerrechtlich günstig Geldsummen zwischen den Tochterfirmen hin- und herzuschieben.

Wer gehört alles zur Alphabet-Holding?

  • Suchmaschine: Natürlich erst einmal Google selbst. Der Name soll in Zukunft nur noch auf die Suchmaschine bezogen sein – das ermöglicht dem Google-Chef Sundar Pichai, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Vorerst verwaltet dieser Geschäftsbereich auch noch die ganzen Internet-Apps wie Drive, Maps, Ads und YouTube. Trotzdem ist das Kernunternehmen deutlich entschlackt
  • Betriebssystem: Android ist das erfolgreichste mobile OS der Welt und ist nun ebenfalls nominell unabhängig von der Suchmaschine Google. Wie genau die Struktur aussieht und ob dieser Bereich auch und Pichai geleitet wird, ist noch unklar
  • Forschung: Life Sciences ist ein großes Thema, das eigentlich so gar nichts mit dem Kerngeschäft von Google zu tun hat. Die Entwicklung von Gesundheits-Kontaktlinsen und die Erforschung des Alters werden in das Tochterunternehmen Calico ausgelagert
  • Smart-Home: Nest bietet alles rund ums Haus an: Intelligente Rauchmelder, Thermostate und Steuerungsanlagen für Wohnhäuser
  • Business: Investitionen in Start-Ups und die Wirtschaft haben nun mit Ventures und Capital ebenfalls zwei eigene Unter-Firmen bei Alphabet

Transparenz und Übersichtlichkeit – vor allem für Investoren

Auch wenn Google das erfolgreichste Internetunternehmen aller Zeiten ist – die Investoren und Aktieninhaber haben immer ein Wörtchen mitzureden. Bisher war es relativ schwierig, die Performance der einzelnen Geschäftsbereiche isoliert zu betrachten. Gewinne und Investitionen werden immer aufs ganze Unternehmen gerechnet – die Gewinne von Google Ads verschwanden also hinter ambitionierten Forschungsprojekten wie dem selbstfahrenden Auto.

Die Investoren waren in der Regel nicht so erfreut über diese wissenschaftlichen Spielereien von Larry Page, die ja nun auch nicht gerade preiswert sind.

Alphabet ändert das radikal: Mit der Umwandlung in eine Holding kann jeder Bereich einzeln auf die Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Die einzelnen Unternehmen können sich außerdem gegenseitig unterstützen – ebenfalls ein großer Vorteil. Auch die individuellen Managemententscheidungen werden jetzt deutlicher und geben jeder Facette von Alphabet einen eigenen Charakter.

Hat all das Auswirkungen auf SEO?

Kurze Antwort: nein. Nur weil das Kerngeschäft von Google deutlich entschlackt wurde, heißt das noch nicht, dass sich etwas am Suchalgorithmus ändern wird. Der Wechsel zu Alphabet hat also für Webmaster vorerst keine Auswirkungen. Die Überführung in eine Holding hat nur eine Bedeutung für die Wirtschaft.

Auch der frisch gebackene Google-CEO Sundar Pichai gibt Entwarnung. In einem Video-Interview hat er bestätigt, dass er den bisherigen Weg fortsetzen wird. Für uns heißt das: Regelmäßige Updates, aber keine grundlegende und generelle Änderung des Suchmaschinen-Bereichs.

Mit seinem Organisationstalent hat Pichai die letzten Jahre Google und Android als Vize-CEO geleitet – er ist der richtige Mann für den Job. Außerdem hält er damit Larry Page den Rücken frei, damit der Visionär seine Träume verwirklichen kann.

Wie genau Alphabet unser Leben verändern wird, steht noch nicht fest. Zumindest vorerst ist all das nur eine nominelle und strukturelle Änderung. Die Umwandlung in ein transparenteres Unternehmen ist zumindest aus wirtschaftlicher Sicht zu begrüßen – oder wie seht ihr das?

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