Anfang 2014 kam Farbe in die Welt der Top-Level-Domains. Während vorher bis auf wenige Ausnahmen nur landesspezifische Endungen wie .de oder .com möglich waren, gibt es heute ein große Auswahl an verschiedenen Domainkürzeln wie .berlin oder .music. Viel Verwirrung gab es dabei um die Frage, ob Google die neuen Domains genau so behandelt wie die klassischen Endungen – wir liefern darauf eine klare Antwort!

Top-Level-Domains: Vielfalt bei der Namenswahl oder überflüssiges Goodie?

Wir kennen sie alle: Das kurze .de oder .at in der Browserzeile steht für eine deutsche oder österreichische Seite, .com gibt einen internationalen Anstrich und Seiten mit dem Kürzel .biz, .org oder .info sind eher selten zu finden und versprechen viele Informationen zu einem Thema.

Die Top-Level-Domain, kurz TLD, schließt eine Webadresse ab und gibt meistens Hinweise auf den Inhalt.

Vor der Öffnung der Top-Level-Domains durch die globale Koordinierungsstelle für Internetangelegenheiten (ICANN) musste man schon sehr kreativ denken, um Farbe in den Weballtag zu bekommen. Dafür wurden sehr gerne die länderspezifischen Codes von Kleinststaaten „missbraucht“, um eigene Domainnamen zu basteln:

  • die Endung .tv von Tuvalu wird gerne von Medienhäusern oder Produktionsfirmen benutzt
  • Tonga bietet seine TLD .to frei zur Registrierung von Webseiten an und verspricht dabei den Schutz der Personen hinter der Seite. Deswegen sind .to-Adressen besonders beliebt im Filesharing- und Torrent-Bereich
  • Ungewöhnlicher Werbe-Gag aus Dresden: Ein Dresdner Kulturmagazin nutzt die Web-Endung des pazifischen Mikrostaats Niue – mit dem Kürzel .nu wird auf den typisch sächsischen Dialekt angespielt.

Heute sieht das ganz anders aus. Nachdem schon Mitte der 90er Jahre abzusehen war, das die kurzen, einprägsamen Adressen schnell zur Neige gehen würden, wurden fast 10 Jahre lang Vorschläge für neue TLDs gesammelt und 2014 die ersten neuen Kürzel veröffentlicht. Allein Google hält die Rechte an fast 100 neuen Endungen wie zum Beispiel .app, .buy, .free, .home, .search, .play und .you.

Der Einfluss der Top-Level-Domain auf das Suchmaschinenranking

Noch bevor es die Vielzahl der neuen Domainendungen geschafft haben, herrschte unter den Webmastern große Verwirrung über den Einfluss der TLD auf die SERPs. Heute gibt es ein bisschen mehr Klarheit zu dem Thema. Google-Mitarbeiter haben immer wieder betont, dass die Top-Level-Domains keinen Einfluss auf das Ranking haben.

Eine Ausnahme gibt es aber: Regionale Kürzel wie .de oder .at werden im jeweiligen Land besser bewertet und ranken damit höher.

Technisch gesehen unterscheidet Google nicht zwischen den verschiedenen Domainendungen. Damit haben die neuen TLDs keine Vor- oder Nachteile für das Ranking – zumindest nicht, wenn man die Analyse nur auf den Google-Algorithmus beschränkt. Selbst, wenn die Domainendung ein für die Seite relevantes Keyword enthält (z.B. .app oder .club) hat das keine Auswirkung auf das Seitenranking. Nur das Userverhalten ändert sich dadurch eventuell

Sollte ich eine außergewöhnliche TLD nutzen? (Infografik)

Infografik Top-Level-Domains

Fazit: Google bewertet alle TLDs gleich – vorerst

Momentan haben die Endungen einen sehr geringen Impact. Gerade einmal 0,018 % aller vergebenen Domains nutzen eine der neuen TLDs. Daher lässt sich auch noch nicht sagen, ob sich damit das Nutzerverhalten gezielt steuern lässt. Es gibt ein paar Argumente für die Nutzung der neuen Domainnamen:

  1. Mit den knackigen Domainendungen lassen sich aussagekräftige URLs zaubern – und die überzeugen in der Regel viele User vom Inhalt der Seite.
  2. Wunschdomain schon vergeben? Mit einer alternativen Endung kann man dieses Problem umgehen – und für einen kurzen, prägnanten und leicht zu merkenden Seitentitel sorgen
  3. Google hat bereits angekündigt, Domainendungen wie .berlin oder .saarland irgendwann eventuell lokal zu bewerten – das wäre super für lokale Anbieter!
  4. Die passende TLD für jeden Geschäftsbereich – so sehen die User auf den ersten Blick, mit welchem Content sie auf der Seite rechnen können
  5. Gerade Start-Ups können sich so eine aussagekräftige Domain zulegen – das wirkt innovativ und modern

Aber wie heißt es so schön? „Alles fließt“. Und gerade im SEO-Bereich können sich die Regeln schnell ändern. Nicht jeder Webmaster muss sich sofort auf Biegen und Brechen eine neue Domain zulegen (vor allem, weil die neuen TLDs relativ viel kosten). Für kurze, knackige, „sprechende“ Seitentitel sind die neuen Endungen aber eventuell eine gute Wahl – auch, wenn sie derzeit noch keinen Einfluss auf die SERPs haben.

Top-Level-Domains: Update im November 2017

Es ist ein wenig Wasser die Elbe hinabgeflossen und es wird Zeit, einen frischen Blick auf Top-Level-Domains zu werden. Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren verändert?

Lokal gewinnt! Mit dem Aufstieg von Local SEO haben auch die drei deutschen, lokalen TLDs einen ganz neuen Einfluss. Zwar werden sie laut Google nicht zur Bewertung des Rankings herangezogen, aber doch ranken lokale URLs mit einer passenden Endung durchschnittlich 42 % besser als vergleichbare Seiten. Da muss also etwas dran sein!

Auch im Google Algorithmus sind die neuen Domains angekommen. Früher war die Landschaft klar: Eine .de-Endung stammt aus Deutschland und wird demnach deutschen Usern ausgespielt. Heute ist der Webseiten-Standort entscheidend, die TLD spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Damit bildet die Suchmaschine die Realität ab: Schließlich gibt es auch zahllose .com-Adressen, die sich an deutsche User richten. Und es gibt noch eine weitere Änderung bei Google selbst. Ganz gleich, ob Du Google.com, google.de, google.co.jp oder eine ganz andere Endung eingibst: Google nimmt als Baseline für die Sprachversion Deine aktuelle, geographische Position.

Unser neues Fazit zu Top-Level-Domains: Die Endungen geben heute keinen Ausschlag mehr als SEO-Signal und verschwinden aus den Rankingfaktoren. Das heißt aber nicht, dass sie gar keinen Effekt haben. Im Gegenteil: Mit kreativen Verbindungen und einem klaren Branding können sie vor allem lokal für viel Erfolg sorgen.

 

 

1 Antwort
  1. Domain Checker Fan
    Domain Checker Fan sagte:

    Ich glaube viele Domain Endungen werden noch nicht genutzt, was meiner Meinung nach für Unternehmen aber auch eine Chance ist, von Seiten mit gleichen Domain Namen auf sich schliessen zu lassen. Ich finde die neuen Endungen auf jeden Fall immer wieder cool.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.